„Mein Pferd ist zu verfressen für Clickern!“ oder „Wie fange ich eigentlich richtig an?“

Text: Anna Urich – reitenmitherz.de

Menschen wie ich, die mit ihren Pferden clickern, werden häufig als Tüddeltanten bezeichnet. Clickerpferde sind in der Reitsportszene bekannt dafür, dass sie aufdringlich, gar respektlos sind. Aber was ist dran an dem Klischee? Wie fange ich am besten mit Clickern an? Was bringt Clickertraining eigentlich? Und kann ich dann noch auch noch ganz normal reiten?
Diese und einige andere Fragen versuche ich in einer Reihe von Artikeln möglichst einfach und allgemein verständlich zu klären.

Clickertraining kann man nicht nur mit Pferden, sondern auch mit allen anderen Tieren machen. Bekannter geworden ist es schon vor längerer Zeit durch den Hundesport- auch ich habe als Jugendliche meine Hunde geclickt und dies dann einfach auf die Pferde übertragen.

Einfach ausgedrückt geht es darum dem Pferd mit dem Klick zu vermitteln, dass es GANZ GENAU im Moment des Klicks richtig handelt. Dazu ist es nötig, dass das Pferd weiß, was der Klick bedeutet. Hier kommt der Begriff der Konditionierung ins Spiel- das Pferd lernt dabei, dass unmittelbar auf das Klickgeräusch eine Belohnung folgt. Bei Pferden sind diese Belohnungen meistens von Futterart. Warum das so ist, werde ich nochmal in einem anderen Artikel ausführlicher erklären.
Und bei der Konditionierung geht´s auch schon los mit einer Entscheidung, denn es gibt zwei verschiedene Arten dem Pferd zu erklären was der Klick bedeutet.
Einmal klassisch: der Mensch klickt und gibt dem Pferd unmittelbar in der nächsten Sekunde ein Leckerlie. Dies wird häufig wiederholt, bis das Pferd irgendwann nach dem Klick das Leckerlie erwartet.
Und operant: hier hat das Pferd sozusagen direkt eine einfache Aufgabe, die geklickt wird. Zum Beispiel soll es einen Ball an einem Stab mit seiner Nase berühren. Im Clicker-Jargon ist der Ball-Stab ein sogenanntes Target. Das Pferd lernt durch dieses Training sofort, dass durch seine eigene Handlung der Click ausgelöst wird, auf den Futter folgt. Auch hier merkt man an der Erwartungshaltung des Pferdes nach dem Klick, ob es konditioniert ist. Das bedeutet aber auch, dass nicht der Klick die Belohnung für das Pferd ist, sondern lediglich die Ankündigung der Belohnung. Besonders viel Wert lege ich persönlich darauf, dass man hier nicht erst nach dem Klick anfängt das Leckerlie aus der Tasche zu holen. Dann wird das Pferd nämlich (auch) das Rascheln und die Handbewegung als Ankündigung für die Belohnung sehen. Es mag früher oder später zwar trotzdem funktionieren, aber meiner Meinung nach ist das unnötig umständlich bzw. schwammig für das Pferd.
Egal wie man vorgeht, Unerwünschtes Verhalten wird ignogiert und NICHT gestraft.
Welche der beiden Arten man nun zur Konditionierung wählt, ist aus meiner Sicht stark vom Pferdetyp abhängig. Natürlich sollte man auch beachten, welche der beiden Methoden dem Clicker-Menschen eher zusagt, jedoch würde ich beispielsweise mit einem zu Aufdringlichkeit neigendem, sehr verfressenen Pferd nicht klassisch, ohne Aufgabe, einfach klassisch drauf los konditionieren, da das Pferd durch seine Aufregung durchaus im ersten Moment noch aufdringlicher werden könnte. Wenn der Mensch dann nicht in der Lage ist an dieser Stelle ganz gezielt zu clicken (und das ist man als Clickeranfänger nun mal noch nicht), dann kann man den ersten Hinweis auf die Herkunft des Klischees der respektlosen Clickerpferde erahnen. Viele Menschen brechen hier dann nach wenigen Einheiten ab und sind der Meinung, mit ihrem Pferd sei kein Clickern möglich, weil es durch die ganze Fütterei frech und aufdringlich wird. Aber genau diese Pferde lernen am schnellsten beim Clickern und haben irre viel Spaß- auch ihre Futtergier wird dadurch gestillt, weil sie wissen werden, dass es Leckerlies NUR noch nach dem Klick gibt! Das Problem ist lediglich der Mensch, der nicht begriffen hat, dass er zur falschen Zeit geklickt hat.
Genauso wenig macht es Sinn mit einem sehr introvertierten Pferd direkt operant, also mit Aufgabe, zu klicken, weil es vermutlich nicht aus reiner Neugier heraus direkt das Target berühren würde, so wie es bei den meisten Pferden der Fall ist. Wird diese Kombination doch von Clickerneulingen umgesetzt führt dies ebenfalls häufig zur Resignation seitens des Menschens. Oft habe ich in diesem Zusammenhang schon gehört: „Mein Pferd versteht es nicht!“. Aber der Fehler liegt immer beim Menschen. Unsere Aufgabe ist es, schon das Konditionieren so zu gestalten, dass es für das Pferd umsetzbar ist.
Deshalb ist es sinnvoll sich schon vorher zu informieren. Ich persönlich rate dazu sich für die ersten Einheiten einen Clickertrainer oder zumindest jemanden, der schon länger Erfahrung mit Clickern hat, dazu zu holen. Gerade in den ersten Einheiten kann man so viel falsch machen. Es gibt viele scheinbare Kleinigkeiten, die von großer Bedeutung sind. Man muss erstmal ein Gefühl für Timing und Beobachtung bekommen, das ist ganz normal. Viele sind zunächst überfordert- links Clicker, rechts Leckerchen, dann noch Bauchtasche und- achja, das Pferd ist ja auch noch da. Da kann es unglaublich hilfreich sein, jemanden an seiner Seite zu haben. Natürlich kann man es auch ganz alleine schaffen, das ist wiederum stark vom individuellen Pferd-Mensch-Paar abhängig. Aber wenn sich der Besitzer schon vorher sicher ist, dass sein Pferd durch Futter richtig aufdreht, dann rate ich DRINGEND zur Einholung von Hilfe. Besonders bei Shetlandponys rate ich ebenso dazu, weil diese meist über eine sehr hohe Intelligenz verfügen und diese in Kombination mit dem Futterreiz bei falscher Anwendung zu einem hohen Stresslevel für das Pferd führen können. Shettys sind als Einstieg für das Clickertraining tatsächlich eine Herausforderung und werden häufig unterschätzt.

Ist die Konditionierung nun sorgfältig und korrekt abgelaufen, hat man einen prima Grundstein gelegt. Wichtig ist es weiterhin zu verinnerlichen, dass der Mensch ab jetzt das Training bzw. explizit die jeweilige Aufgabe so gestaltet, dass das Pferd ein Erfolgserlebnis dabei haben kann. Wenn das Pferd die Aufgabe nicht so ausführt wie gewünscht frage dich: Was kann ICH verändern, damit es für das Pferd leichter ist. Ein Beispiel: Wenn das Pferd immer wieder den Stiel des Targets anstelle des Balles berührt macht der Mensch den Fehler in der falschen Haltung des Targetsticks. Der Stick muss so geschickt gehalten werden, dass das Pferd gar nicht anders kann, als zuerst den Ball zu berühren.
Und das ist das Schönste am Clickertraining: wer diese Form des Umgangs mit dem Pferd lebt versteht mehr und mehr, dass die Schuld immer beim Menschen liegt. Nicht nur beim Clickern- auch im sonstigen Umgang mit dem Pferd und beim Reiten. Durch das Clickern lernt der Mensch sich zu reflektieren und die Welt aus dem Blickwinkel des Pferdes heraus zu sehen. Ist man in der Lage diesen positiven Umgang, frei von jeglicher Strafe, getragen von Lob und gegenseitigem Respekt, ganz bewusst mit seinem Pferd zu leben führt das zu den schönsten gemeinsamen Erlebnissen und unvergesslichen Momenten- zu einer auf ehrlichem Vertrauen basierenden und liebevollen Beziehung zum Pferd.

Gute Literatur zum Thema gibt es auch. Wunderbar herzlich und fachlich sehr gut geschrieben ist das Buch „ Im Dialog mit dem Pferd“ von Marlitt Wendt. Besonders empfehlenswert ist außerdem das E-Book von Babette Teschen: Clickerkurs (www.wege-zum-pferd.de).

Text: 30.01.2014

Anna Urich – reitenmitherz.de