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„Wie ich den Fehler bei Anderen suche“ oder: „Wie ich den Spaß am Reiten verlor“ ?
Text: Anna Urich | Reiten mit Herz
Irgendwann muss man doch als Reiter mal zu dem Punkt kommen, dass die Fehler, die man bei seinem Pferd sucht, von einem selbst ausgehen? Abgesehen davon, dass das Pferd sich ganzbestimmt nicht ausgesucht hat, geritten zu werden, sollte es doch dann zumindest in unserer Verantwortung liegen, das Pferd körperlich so vorzubereiten, dass es diese Arbeit überhaupt leisten kann. Und damit ist bestimmt nicht gemeint, es Tag für Tag, Runde um Runde dermaßen zu zentrifugieren (auch genannt Longieren), dass die Hinterhand ausschert und es immer wieder im Kreuzgalopp anspringen muss, weil ihm durch (falsches) Ausbinden jegliche Balance genommen wird. Abgesehen von dem psychischen Stress, den ein Pferd in dieser Situation ertragen muss, hat diese Arbeit KEINE positiven Effekte auf die gesunde Bemuskelung des Pferdes.
Wenn ich mich dann auf so ein Pferd, mit Dellen neben dem Widerrist, einer eckigen Hinterhand und angespanntem Unterhals setze, um dann von ihm zu erwarten, dass es nun in einer schönen Form am Zügel geht, kommt meist folgendes dabei raus:
Das Pferd versucht in den ersten Wochen, Monaten oder Jahren (je nach Charakter des Pferdes) es dem Menschen trotzdem recht zu machen. Dies wird von seinem Menschen nicht angerechnet, schließlich ist es triebig oder setzt seine Verspannungen durch kleine Buckler oder sonstigen „Ungehorsam“ frei. Der Mensch straft diese natürlich in angemessener Form, damit es nicht heißt, er käme mit seinem Pferd nicht zurecht.

Das Pferd aber bleibt schlecht bemuskelt und funktionieren „tut“ es irgendwie auch nicht.

Vielleicht ist der Trainer Schuld! Nach einem Trainerwechsel hat man nun ein besseres Gefühl. Der Trainer ist in der Lage, das Pferd (das unbemuskelte und nicht-ausbalancierte) so richtig zusammenzustellen. Das ist ganz schön anstrengend für das Pferd, aber irgendwann muss es ja mal lernen, wie man richtig läuft- da muss es mal an seine Grenzen geführt werden.

Jedoch bleibt das Pferd falsch bemuskelt und wenn man ehrlich ist: so richtig funktionieren „tut´s“ immer noch nicht.

Es gibt auch Pferde, die sich wenig bis gar nicht (mehr) widersetzen. Sie haben sich dem Schicksal gefügt und lassen den riegelnden, parierenden oder was auch immer im Pferdemaul machenden Reiter gewähren. Sie stellen den Kopf hin, sodass es schön aussieht (das heißt nicht, dass der Reiter eventuell aufhört zu „parieren“) und sind… trotzdem schlecht bemuskelt! Dazu möchte ich nur anmerken, dass ein Pferd merkt, wenn es eine Fliege auf dem Fell hat und außerdem, dass das Pferdemaul hochsensibel ist. Das möge man kombinieren und für sich einen Schluss daraus ziehen, was Blasen oder Schmerzen an den Händen angeht!

Spaß hat dabei vermutlich weder Mensch noch Pferd. Vielleicht noch der Trainer, der Geld dafür bekommt, an einem Tier Macht auszuüben. Wieso hat man denn mal mit dem Reiten angefangen? Haben nicht eigentlich diese Lebewesen fasziniert? Sollte es beim Umgang mit dem Pferd, einschließlich Reiten, nicht um gemeinsamen Spaß gehen?
Immer nur hat das Pferd Schuld- das ist so unfassbar traurig. Und noch trauriger ist es, wenn man diesen Pferden einfach mal in die Augen schaut. Bei der Arbeit erkennt man garantiert keinen Spaß… und wenn es schon weiter fortgeschritten ist, sehen die Augen auch schon vor der Arbeit teilnahmslos und leer aus.
Anna Urich, 02.11.2013

www.reitenmitherz.de