Leider erlernen Kinder häufig von klein auf den respektlosen Umgang mit Pferden.
Es ist normal ein Pferd aus seiner dunklen (oder meinetwegen auch hellen) Box zu holen, die im Verhältnis etwa so groß ist wie für uns ein Einzelbett oder mit Glück die Größe eines Doppelbettes hat – ein Vogel in einem kleinen Käfig hat da weitaus mehr Platz.


Beim Putzen des Pferdes wird dieses für´s Reiten vorbereitet- es geht dabei nicht darum dem Kind die Lieblingskraulstelle des Pferdes zu zeigen oder sonstige beziehungsfördernde Tätigkeiten zu vermitteln. Dann muss das Kind häufig zur Seite treten, weil das Pferdchen beim Satteln schnappen könnte… ich denke eine Erläuterung dazu ist überflüssig. Nicht nur im Reitverein werden viele Pferde ohne Überlegung dermaßen fest gegurtet, damit der Sattel nicht rutscht. Dass das Pferd dabei massives Unwohlsein erleiden muss ist doch völlig unbestritten.

Kinder müssen lernen sich durchzusetzen- dass es ok ist ein Pferd mit den Schenkeln zu treten, zu schlagen und zum Lenken am Zügel zu ziehen. Sie „dürfen sich vom Pferd nichts gefallen lassen“ und bekommen vermittelt die Fehler beim Pferd zu suchen, weil dieses stur oder faul ist. Sie lernen, dass das Pferd funktionieren muss und wir es dazu bringen, sonst kann man nicht reiten. Wenn sie schon etwas auf dem Pferd sitzen können lernen die Jugendlichen dann, dass man nur reiten kann wenn das Pferd an der Senkrechten läuft, am Zügel geht oder durch´s Genick geht oder wie auch immer diese Wunderhaltung genannt werden mag. „Das ist gar nicht so schwer, einfach ein paar mal abwechselnd links rechts ziehen- bei den sturen Pferden allerdings schon fester. Deshalb darf man dann auch den Sperrriemen nicht vergessen, sonst wehrt sich ein stures Pferd dagegen… “ Ironiemodus aus.

Das führt dazu, dass schon 12jährige Kinder und Jugendliche mit Sporen reiten, weil das gute Sportpony sonst auf stur stellt. Das führt auch dazu, dass es nicht mehr darauf ankommt wertvolle Momente mit dem Pferd zu verbringen, sondern ob man die neueste „Eskadron Colli“ hat und ein Turnier nach dem anderen mit seinem Sportpony besucht. Weiterhin führt das dazu, dass der geringe Anteil an Menschen, die liebevoll mit ihren Pferden umgehen und sich nichts aus Leistung machen von den „guten Reitern“ belächelt werden. Welch unfassbares Ausmaß Lästerei im Umgang mit Pferden hat. Jeder Einzelne und jede Art von Dressur, Springen, Western, Reitkunst Dänemark, Reitkunst Frankreich, Barock, Vielseitigkeit oder Freizeit macht den anderen nieder. Und Clickerzeug geht schonmal gar nicht- bei dieser Spielerei stopfen die Leute ihre Pferde mit Leckerlies voll und dann werden die Tiere respektlos.

Reiten ist heute meistens Sport und es muss für den Reiter anstrengend sein (Anmerkung: Wenn ein Reiter vom Treiben und sonstigen Einwirken auf das Pferd schwitzt…WAS muss das Pferd dann durchmachen, wenn es doch schon eine Fliege auf seinem Fell erfühlen kann…).

Dass es da kein Wunder ist, dass Schulpferde durchgehen, buckeln, stehenbleiben oder Beißen, lehrt kaum einer. Da kommt dreimal am Tag ein anderer Mensch, der die Erwartung „Ich will reiten“ hat und dann kommt das Pferd wieder bis zum nächsten Mal in die Box. Ach nein, es gibt ja auch Ställe in denen die Pferde 3 Stunden rauskommen- das macht dann nur noch abzüglich Reitstunden 18 Stunden in der Box stehen …

Letztlich wird in solchen Betriebe der Reiter von heute geformt. Reiten bedeutet häufig gar nichts anderes als Egoismus.

Text: Anna-Katharina Urich am 21.09.2014
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